Soziales
Kleiderspende in Köln: Wohin mit gut erhaltener Kleidung?
Sabrina Steiger · 20.01.2026
Altkleider: AWB Köln
Jeder kennt es: Wird die Winterkleidung im Schrank wieder nach vorne geholt, geht’s ans Aussortieren. Eiserne folgen dabei der Regel: Was ein Jahr nicht getragen wurde, kann auch weg. Doch wohin mit noch brauchbaren Textilien, die am besten noch einem guten Zweck dienen sollen?
In Köln gibt es verschiedene Möglichkeiten. Da wären zum einen die rund 540 flächendeckend aufgestellten Container der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB). Jörg Daniel, stellvertretender Pressesprecher der AWB, erklärt: „In den Altkleider-Container kann saubere und tragbare Kleidung jeder Art eingeworfen werden. Dazu gehören zum Beispiel T- Shirts, Hosen, Jacken, Mützen und Hüte, Schuhe oder kleinere Lederartikel wie Gürtel, Taschen, Tischdecken, Vorhänge und Gardinen, Bettwäsche und Bettdecken und vieles mehr.“
Aber nach wie vor gehörten stark verschmutzte und verschlissene Textilien in die graue Restmülltonne. Zum anderen nehmen gemeinnützige Organisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Altkleider an. Diese müssen allerdings in der Sammelstation in Braunsfeld abgegeben werden. „Wir freuen uns über brauchbare Kleidung, die wir über unsere Kleiderkammer weitergeben können“, bekräftigt Ismail Bulut vom DRK Köln.
Gesetzliche Vorgaben zum Sammeln
Gesetzlich untermauert werden die Sammlungen durch die EU-Verordnung zur „Getrenntsammelpflicht für Textilien“, die seit Anfang 2025 gilt. Sie besagt, dass alte Kleidung und Textilien nicht mehr im Hausmüll entsorgt werden sollen. Kommunen sind verpflichtet, eine getrennte Sammlung anzubieten. Die AWB kommen dieser Aufgabe mit der Bereitstellung der Container eh schon seit Jahren nach.
Und die Praxis bestätigt: Schon jetzt werden laut dem Verband kommunaler Unternehmen deutschlandweit etwa 64 Prozent der gebrauchten Textilien in die Altkleidersammlung gegeben, wovon mehr als 90 Prozent wiederverwendet werden können. In Köln haben die AWB 2024 rund 3.600 Tonnen Altkleider gesammelt. Diese Textilien geben sie an einen Dienstleister. Der sortiert und verkauft noch tragbare Sachen ins Ausland – etwa nach Afrika, Asien und Osteuropa. Was nicht mehr zu verkaufen ist, gibt er in eine Recyclinganlage.

Altkleider gehören nicht in den Hausmüll. Foto: AWB Köln
Die Textilien werden zerkleinert und zu Dämmstoffen, Isolierstoffen und Industrieputzlappen verarbeitet. Immerhin werden 63 Prozent als Second-Hand-Ware verkauft, 30 Prozent gehen ins Recycling. Ursprünglich sollte die kommunale Altkleidersammlung Geld in die Kasse bringen. Doch der Markt für Industriestoffe in Deutschland ist gesättigt, und auch der Absatz von gebrauchter Kleidung wird angesichts oft noch billigerer Neuware aus Fernost schwierig. Auf ihrer Internetseite werben die AWB noch: „So hilft Ihre Kleiderspende, die Müllgebühren zu stabilisieren.“ Jörg Daniel sagt dazu: „Die Kosten sind mittlerweile höher als die Einnahmen.“
Gutes geht in die Kleiderkammer
Auch das DRK Köln bekommt diese Entwicklung zu spüren. Deshalb hat es mit Beginn dieses Jahres die Haussammlungen eingestellt. „Der Aufwand lohnt sich nicht mehr“, sagt Bulut. An ihren Abgabestellen würden genug Kleiderspenden abgegeben. Das DRK sortiert die abgegebenen Textilien selbst. Etwa 160 Tonnen gehen im Jahr durch die Hände der Mitarbeitenden in der Kleiderkammer. „Über 40 Prozent müssen aussortiert werden“, so Bulut. Auch hier gibt eine Entsorgungsfirma sie in die industrielle Verwertung – ohne Gewinn. Er ergänzt: „Wenn wir Glück haben, bleibt es kostenneutral.“
Doch was noch getragen werden kann, bleibt in Köln. In der Kleiderkammer des DRK können sich bedürftige Menschen mit Köln-Pass oder Nachweis ihres Flüchtlingsstatus gegen eine Schutzgebühr einkleiden. „Manche Sachen geben wir auch direkt an Wohnheime oder Notunterkünfte“, erklärt Bulut. Die besten Stücke werden im Rotkreuz-Shop an der Venloer Straße für wenig Geld angeboten.
Der Erlös kommt Einrichtungen des DRK in Köln zugute – zum Beispiel finanziert es damit die Rettungshundestaffel. Der Verband hat sich mit anderen Kölner Organisationen, die ebenfalls Kleider sammeln und innerhalb der Stadt wiederverkaufen, zum „Netzwerk 2. Hand Köln“ zusammengeschlossen. Dazu gehören zum Beispiel die Diakonie Michaelshoven, der Lindweiler Treff oder die Sozialistische Selbsthilfe Mülheim. Dazu Bulut: „Es ist unser Motto, dass gut erhaltene Kleidung im lokalen Kreislauf bleibt.“ Wer nun also aussortiert, kann sich überlegen, ob er die alte Lieblingsjacke lieber in Afrika oder Ehrenfeld wähnt.
Vorbeugen ist besser als wegwerfen. Kaufen Sie möglichst nur das, was Sie brauchen, und dann vorzugsweise in Second-Hand-Läden!
Allgemein gilt: nur intakte Bekleidung spenden – also ohne Löcher, Mängel oder starke Verschmutzung, denn die Entsorgung kostet Geld! Schuhe paarweise zusammenbinden, Kleidung waschen und in Säcken verpacken.
Adressen:
AWB Container
meist neben Altglas-Containern
Tel. 0221 / 922 22 24
www.awbkoeln.de/altkleider
DRK-Annahmestellen:
Oskar-Jäger-Str. 40,
An der Bottmühle 2 + 15
Tel. 0221 / 54 87-22 22
Diakonie Michaelshoven e. V.
Pfarrer-te-Reh-Str. 1
50999 Köln
Telefon: 0221 / 99 56-10 00
www.diakonie-michaelshoven.de
Sozialistische Selbsthilfe Mülheim e. V.
(SSM)
Düsseldorfer Str. 74
51063 Köln
Telefon: 0221 / 640 31 52
ssm-koeln.org
Alle Adressen:
www.altkleiderkoeln.de
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Tags: Altkleider , AWB , Deutsche Rote Kreuz , Kleiderspende , Recycling
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