Leben in Köln

Kölns klassische Klangkörper

David Korsten-KölnerLeben Ausgabe 5/2017 · 04.12.2017

Kammermusik als Herzensangelegenheit

Besonders am Herzen liegt Owen der Verein „Kammermusik für Köln“, den er 2011 mitgegründet hat. „Die Konzerte mit weniger Musikern sind sehr intim, Publikum und Musiker können sich fast anfassen“, sagt Owen. So komme man leicht miteinander ins Gespräch. Der Verein will die Kammermusik stärken, ihr etwa zu einem eigenen Kammermusiksaal verhelfen. „Das wäre wirklich eine tolle Sache“, sagt Owen mit leuchtenden Augen.

Die Mitgliederstärke variiert bei der Kammermusik stark: In kleinen Ensembles spielen nur wenige Musiker, manche Kammerorchester sind mit etwa fünfzig Musikern besetzt. Auch wenn bislang ein fester Spielort für kleine Klangkörper fehlt: Die Kammermusik hat in Köln Tradition. Bereits am 23. November 1923 fand im gerade errichteten Gebäude des Kunstvereins am Friesenplatz das erste Konzert des Kölner Kammerorchesters statt - es ist das älteste Kammerorchester Deutschlands. Auf dem Eröffnungsprogramm standen Werke von Händel, Vivaldi, Bach und Vitali. Einer der prägenden Künstler des Kammerensembles war der 2012 verstorbene Helmut Müller-Brühl. Der Dirigent und Musikwissenschaftler hatte 1958 in seiner Heimatstadt die Brühler Schlosskonzerte ins Leben gerufen: Im Schloss Augustusburg, dem kurfürstlichen Jagd- und Sommerschloss, finden seither jeden Sommer etwa 25 Konzerte statt.


Foto: Sonja Werner

Konzertreisen zu allen Kontinenten

Müller-Brühl übernahm 1963 die Leitung des Kölner Kammerorchesters. Zwischen 1976 und 1986 musizierte es unter dem Namen Capella Clementina ausschließlich auf historischen Instrumenten. Müller-Brühl setzte damit Maßstäbe für die Wiederbelebung des barocken Musiktheaters. Neben Tonträgeraufnahmen und Konzertreisen auf der ganzen Welt tritt das Kölner Kammerorchester regelmäßig in der Kölner Philharmonie auf: Seit 1988 wird dort jährlich die Konzertreihe „Das Meisterwerk“ gegeben.

Überhaupt ist die Philharmonie seit ihrer Einweihung im September 1986 einer der wichtigsten Orte für klassische Musik in Köln. Regelmäßig füllen bis zu 2.200 Zuschauer den mehr als 2.500 Quadratmeter großen, muschelförmigen Saal. Neben dem Gürzenich-Orchester ist das WDR Sinfonieorchester das zweite Hausorchester der Philharmonie. Gegründet 1947, feiert es in der Spielzeit 2017/18 sein 70-jähriges Bestehen. Spezialisiert auf musikalische Werke des 20.Jahrhunderts, fertigten Komponisten wie Igor Strawinsky, Karlheinz Stockhausen und Bernd Alois Zimmermann Auftragsarbeiten für das Orchester an.

Konzertreihen für jeden Geschmack

Mit einem breiten Programm und neuen Formaten möchte das WDR-Ensemble unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen für klassische Musik begeistern: Bei der Reihe „SinfoniePlus“ etwa erhalten Schulklassen und junge Musikfans bis 25 Jahre in Begleitung von Lehrpersonen freien Eintritt, Moderatoren geben Hörtipps und erzählen spannende Anekdoten aus der Welt der Musik.

Ein besonderes Angebot hält das WDR Sinfonieorchester seit fünf Jahren für ältere Menschen mit Demenzerkrankungen bereit. Organisiert von der privaten Initiative dementia+art, spielt ein Kammermusikensemble des Sinfonieorchesters regelmäßig für etwa achtzig Menschen mit fortgeschrittener Demenz, ihre Begleitpersonen und Angehörigen. „Bei Demenz steht häufig im Vordergrund, was alles nicht mehr geht“, sagt Jochen Schmauck-Langer, Initiator von dementia+art. Er hingegen wolle zeigen, was trotz der Erkrankung noch möglich ist. Die etwa sechzigminütigen Konzerte sind kostenlos, barrierefrei und finden regen Anklang - übrigens auch bei den Musikern: „Immer wieder berichten die Künstler begeistert, wie gebannt die Zuhörer der Musik lauschen - oft sogar aufmerksamer als bei anderen Konzerten“, sagt Schmauck-Langer. Als günstig hätten sich bekanntere Werke aus Klassik, Romantik und Barock erwiesen, und am Ende gebe es stets drei Volkslieder zum Mitsingen. Es sei für alle Beteiligten immer sehr bewegend, wie sich Betroffene und Angehörige darüber freuen, dass sie weiterhin an der Kultur teilhaben können, ergänzt er.

Musik bewegt - alle

Die Kammerensembles des Gürzenich-Orchesters spielen in Senioreneinrichtungen für Menschen, die selbst keine Konzerte mehr besuchen können. Dies weckt manch vergessen geglaubte Erinnerung, sorgt für Freude und Lebenslust. „Das ist doch das Tolle an der Musik“, sagt Tom Owen. „Sie lässt Menschen fühlen und bringt sie mit anderen in Kontakt.“ Wenn der Engländer über Musik spricht, spürt man seine Begeisterung. In kaum einem anderen Land gebe es so viele Orchester wie in Deutschland, das Publikum wisse die Kultur sehr zu schätzen und auch Köln besitze mit seinen vielfältigen Ensembles einen reichen Schatz. Gürzenich-Kapellmeister Francois-Xavier Roth, gleichzeitig Generalmusikdirektor der Stadt Köln, ist für ihn eine inspirierende Persönlichkeit. „Seine Energie ist einfach ansteckend“, sagt Owen. Auch deshalb ist er sich sicher: „Hier in Köln wird sich noch viel entwickeln. “

Musikgenuss

PhilharmonieLunch: kostenlose Orchesterprobe
jeden Donnerstag, 12.30–13 Uhr.

Benefizmatinee des Deutschen Roten Kreuzes: Unter Verzicht auf ihre Gagen gestalten Mitgliederdes Opernensembles ein buntes Bühnenprogramm mit Opernarien, Musicalsongs und Weihnachtsliedern.
Sonntag, 3. Dezember, 11 Uhr im Staatenhaus, Saal 1.
Karten 20/27,50 Euro
Bestellung: 0221 / 221-2 84 00 (Oper Köln)

dementia+art: Tel. 0157 / 88 34 58 81

Tags: Kultur , Musik

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