Leben in Köln

Kölner Köpfe - Marlis Massau

Lydia Schneider-Benjamin · 30.09.2020

Marlis Massau. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Marlis Massau. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Ob Literatur oder Sport – Marlis Massau ist an vielem interessiert. Die 92-Jährige engagiert sich gerne ehrenamtlich.

Sie wurden 1927 geboren, da haben Sie bewegte Zeiten miterlebt …

Das kann man wohl sagen. Geboren wurde ich in Herne. Wie damals üblich habe ich die mittlere Reife gemacht und danach eine Haushaltsschule absolviert. Da habe ich lebendige Erinnerungen dran, denn ich habe ab 1943 eine Schule in Köslin, Pommern, besucht. In den Ferien mussten wir Panzergräben schippen, denn die Russen kamen näher.

Haben Sie danach einen Beruf erlernt?

Ja, ich wurde Kinderkrankenschwester. 1946 begann ich die Ausbildung. Danach bekam ich meine erste Anstellung in einem Privathaushalt, und zwar in Köln. Ich war so glücklich darüber. Dort lernte ich bei einem Sommerfest auch meinen späteren Mann kennen. Er vermittelte mir eine Stelle in der Uni-Klinik. Nach nur einem Jahr übernahm ich sogar die Stationsleitung.

So kurz nach dem Krieg war die medizinische Versorgung bestimmt schwierig?

Ja, es kamen viele Flüchtlinge aus dem Osten, sie waren so ausgezehrt, besonders die Kinder. Wir päppelten sie mit Möhrenmus auf, man merkte, wie sie dadurch angingen wie ein Licht. Dort habe ich bis zu unserer Heirat 1954 gearbeitet.

Dann haben Sie aufgehört zu arbeiten?

Ja, so war es damals, mein Mann wollte nicht, dass ich arbeite. Er hatte Jura studiert und Karriere gemacht. 1955 kam unsere erste Tochter zur Welt. Seit ich meinen Mann kannte, war mein Leben Musik, er hörte immer Musik. Er war aktiv im Kölner Männergesangsverein. Mit ihm habe ich viele Reisen unternommen, nach Südafrika und sogar zum Empfang an den jordanischen Königshof.

Wann sind Sie nach Heimersdorf gezogen?

1963 sind wir hierhingezogen, das war ein komplett neu auf Kirchenland entstandener Stadtteil. Ich fühle mich sehr wohl hier.

Dann wurden Sie auch ehrenamtlich aktiv?

Ich war lange als „gelbe Dame“ im Heilig Geist-Krankenhaus aktiv, wir haben alleinstehende Kranke dort besucht. Am Anfang hatte ich etwas Scheu, besonders zu den Männern ins Zimmer zu gehen. Aber die waren dann so dankbar und haben so viel erzählt. Und von Beginn an bin ich beim SeniorenNetzwerk Heimersdorf dabei. Ich leite einen Literaturkreis, ich suche Bücher aus, die wir dann lesen und dort besprechen. Das macht viel Freude. Wir unternehmen auch viel zusammen, Ausflüge und Besichtigungen. Natürlich ruht das jetzt alles.

Wie haben Sie die Corona-Zeit überstanden?

Ich bin froh, dass ich mit neunzig Jahren noch den Umgang mit dem Smartphone gelernt habe, so konnte ich per WhatsApp Kontakt zu meiner Familie halten. Und ich halte mich fit mit Gartenarbeit, dazu turne ich jeden Morgen mit dem bayerischen Fernsehen. Man muss eben immer in Bewegung bleiben.

Das Gespräch führte Lydia Schneider-Benjamin.

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Tags: Ehrenamt und Freiwilligkeit

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