Leben in Köln

Großstadtstille

David Korsten-KölnerLeben Ausgabe 3/2017 · 08.03.2018

Netzwerkarbeit verstärken

„Eine intensive Netzwerkarbeit wäre insbesondere für das Quartier Donewald wichtig“, erzählt Gerhard Still, Geschäftsführer der Christlichen Sozialhilfe Köln. Dort wohnen vor allem Senioren und Familien mit Kindern. Für sie bietet die 1996 auf der grünen Wiese gebaute Siedlung kaum Infrastruktur. Arztpraxen oder auch nur ein Lebensmittelgeschäft sucht man dort vergebens. Eine Eisenbahnlinie trennt Donewald vom übrigen Dünnwald und wirkt wie eine Grenze. Hier gelte es, Brücken zu bauen, gerade für ältere Menschen. Eine Stelle für seniorenbezogene Quartiersarbeit sei zwar bereits finanziert, aber derzeit vakant.

Ein Beispiel für gelingende Stadtteilarbeit ist das Cafe „mittendrin“, zentral an der Berliner Straße gelegen. Vor acht Jahren gründeten engagierte Dünnwalder Bürger mit Unterstützung der örtlichen Kirchengemeinden die Begegnungsstätte. Heute sind etwa 40 Ehrenamtier, die meisten von ihnen älter als 65 Jahre, dort regelmäßig aktiv. Im Café treffen sich die Generationen. „Wir haben hier wirklich eine bunte Mischung an Leuten“, sagt Ehrenamtsentwickler Burkhard Brücker, der das Café leitet und die Helfer koordiniert.

Erfolgreiches Engagement vor Ort

Seit 2014 gibt es eine Demenz-Wohngemeinschaft in Dünnwald. Senioren werden hier von einem Pflegedienst ambulant betreut, nach dem Motto „nicht allein und nicht ins Heim“. Ins Leben gerufen hat das Wohnprojekt die Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG) des evangelischen Kirchenverbands Köln und Region. Eine auf alternative Wohnformen spezialisierte Agentur hilft bei rechtlichen und organisatorischen Belangen, außerdem haben die Angehörigen der momentan acht Bewohner Mitspracherecht bei allen Fragen rund um Betreuung und Versorgung ihrer Verwandten.

Doch auch die Jungen sind aktiv in Dünnwald. Der technikbegeisterte Student Markus Wernet, 25, richtete in dem stillgelegten Bahn-Stellwerk von 1929 an der Rönsahler Straße ein Museum für Eisenbahntechnik ein - das erste in Deutschland. „Wir wollen unsere Begeisterung für die Technik weitergeben“, erläutert Wernet. Dieses Projekt und die örtlichen Initiativen zeigen: Nach 900 Jahren ist die Geschichte Dünnwalds noch längst nicht zu Ende.

In dieser Serie stellt KölnerLeben je ein Veedel aus jedem der neun Stadtbezirke vor:

Riehl
Deutz
Lindweiler
Neubrück
Godorf
Ehrenfeld

Dünnwald in Zahlen

(in Klammern zum Vergleich immer kleinster und größter Wert in der Stadt Köln; Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stand: 31.12.2015)

Fläche: 10,84 Quadratkilometer
(Mauenheim 0,49 / Eil 16,25)

davon Erholungsflächen: 5,8 Prozent
(Immendorf 0,9 / Höhenberg 43,3)

Einwohner: 11.599 insgesamt, je Quadratkilometer 1.070 (Roggendorf 299 / Neustadt-Süd 13.596)

Alter: 2.781 (23,9 Prozent) älter als 60 Jahre
(Ehrenfeld: 15,3 / Heimersdorf 34,5)

Alle für Senioren wichtigen Adressen sind erhältlich beim Beratungstelefon für Senioren: Tel. 0221 / 221-2 74 00

Tags: Stadtteile

Kategorien: Leben in Köln