Leben in Köln

Die kuriose Geschichte von 1937

Antje Schlenker-Kortum · 17.01.2020

Terrasse 2: Karl Hugo Schmölz: Auf der Terrasse wird Bitburger Pils serviert, im Hintergrund der sowjetische Pavillon, © Archiv Wim Cox

Terrasse 2: Karl Hugo Schmölz: Auf der Terrasse wird Bitburger Pils serviert, im Hintergrund der sowjetische Pavillon, © Archiv Wim Cox

Das Kölnische Stadtmuseum zeigt erstmalig bisher unveröffentlichte Fotos von dem „Kölner Pavillon“ - kurz vor Kriegsbeginn. Nehmen Sie mit KölnerLeben an einer Führung teil.

Im Zentrum steht die wenig bekannte Hintergrundgeschichte zum Pavillon der Stadt Köln auf der Pariser Weltausstellung 1937. Neben dem deutschen Prunkbau vom damaligen Stararchitekt Albert Speer gab es noch den kleinen, schlichteren Bau auf einem Hausboot - den Kölner Pavillon mit gemütlicher, weinseliger Terrasse.

Es war absolut unüblich und kam auch nie wieder vor, dass sich eine einzelne Stadt auf einer Weltausstellung präsentierte. „Wie es genau dazu kam, dass gerade Köln eine eigene Präsentation bekam, ist nicht genau dokumentiert. Aber Paris hatte Köln eingeladen. Das haben sich die Kölner nicht zweimal sagen lassen“, sagt Rita Wagner, Kuratorin und Leiterin der Graphischen Sammlung im Kölnischen Stadtmuseum. Sie führt durch die Ausstellung. Damals gab es zwei politische Strömungen – die eine strebte den Krieg, die Erweiterung nach Osten an, nach dem Motto mehr Lebensraum für die Deutschen. Die anderen wollten weiter in der Weltwirtschaft mitmischen. Und sie haben sich ganz bewusst auf dieser Weltausstellung präsentiert, um Verbindungen zu knüpfen.

Erhalten sind einige Relikte – wie beispielsweise ein handgezeichneter Entwurf des Pavillons vom Architekten Josef Op Gen Oorth“, erzählt sie. Die Fotos stammen aus dem Nachlass des Kölner Fotografen Hugo Schmölz, der mit seinem Sohn für Architekturfotos beauftragt wurde. Die alten Abzüge wurden erst in den letzten Jahren vom heutigen Inhaber, dem Wim Cox Archiv, inventarisiert.

"Der Pavillon musste möglichst rasch aufzubauen sein – also wurde er in Holzbauweise konzipiert“ so Wagner. Die Zeit drängte. Daher musste alles in Köln gut vorbereitet werden, um es schnellstmöglich auf LKWs und Zügen nach Paris zu bringen. Und das kostete Geld, damals viel Geld für eine Stadt - 30 000 Reichsmark in Devisen – in französischen Francs.


Foto: Deutsches Haus und Pavillon_rba_712977: Karl Hugo Schmölz: Das Deutsche Haus und der Kölner Pavillon, RBA

Genau geschaut

Immer wieder lenkt die Kuratorin den Blick auf Details der Fotos: „Sehen Sie ein Hakenkreuz am Kölner Pavillon?“  Tatsächlich, auf keinem lässt sich eins finden. Auf einem den vielen Informationstexte an den Wänden kann man lesen, dass Köln 1937 als „Mittlerin zwischen Deutschland und Frankreich“ beschworen wurde. Heute weiß man, dass Köln von den Nationalsozialisten als das „Ausfalltor des Westens“ gehandelt wurde. Es ging um den Anspruch Kölns, im westlichen Ausland künftig die Führungsrolle zu übernehmen. In der Ausstellung sind auch Fotos vom Inneren der Pavillons zu sehen. Der martialische Bau des Deutschen Hauses trumpfte mit viel edlen Handwerk, Kronleuchtern und einem ausgestellten Mercedes Silberpfeil auf.

Und was zeigte der Kölner Pavillon? „Köln sah sich als die westlichste Großstadt und man wollte die 2000 Jahre Stadtgeschichte zeigen.“ Es wurden Originale aus dem Walraff-Richartz-Museum und Museum Schnütgen gezeigt wie eine der ältesten Kölnansichten, römische Glasfunde, aber auch originale Produkte von verschiedenen bekannten Unternehmen. Packend erzählt Wagner eine lebendige Kölner Geschichte von kuriosen Beziehungen und genialen Ideen. Aber die Geschichte endet hier nicht – sie fließt hinein in die zweite Sonderausstellung "Köln am Rhein."

Termine

Donnerstag, 02. 01., 19.30 Uhr

Studentisches Infoteam: KölnTag-Führung durch „KÖLN AM RHEIN. Oder: Von Zeit zu Zeit“ und „KÖLN AN DER SEINE. Der Pavillon der Stadt Köln auf der Pariser Weltausstellung 1937“. Wer nach der Führung drei Quizfragen beantworten kann, dem winkt ein kostenloses Kölsch (KölnTag, Eintritt frei).

Donnerstag, 09. 01., 18.00 Uhr

Marion Mennicken, Michael Albers: „Der Standpunkt ist entscheidend: Fotografie im Wandel der Stadt“. Abendführung mit den Fotograf*innen Marion Mennicken und Michael Albers durch die Ausstellung „KÖLN AM RHEIN. Oder: Von Zeit zu Zeit“ (Rheinischen Bildarchiv Köln)

Dienstag, 14. 01., 17 Uhr

Rita Wagner, Yvonne Katzy: Kuratorinnenführung durch „KÖLN AM RHEIN. Oder: Von Zeit zu Zeit“ und „KÖLN AN DER SEINE. Der Pavillon der Stadt Köln auf der Pariser Weltausstellung 1937“ (F)

Donnerstag, 23. 01., 18.00 Uhr

Marion Mennicken, Michael Albers: „Der Standpunkt ist entscheidend: Fotografie im Wandel der Stadt“. Abendführung mit den Fotograf*innen Marion Mennicken und Michael Albers durch die Ausstellung „KÖLN AM RHEIN. Oder: Von Zeit zu Zeit“ (Rheinischen Bildarchiv Köln)

Freitag, 24. 01., 19.00 Uhr

„Alles muss raus“: Grosse Finissage mit Direktorenführung und einem Glas Rotwein. Anschließend: Versteigerung von ausgewählten Abzügen der Pariser Fotografien von Hugo und Karl Hugo Schmölz. Freier Eintritt ab 15 Uhr!

 

Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstraße 1–3
50667 Köln
Tel: 0221/221-22398
E-Mail: ksm@museenkoeln.de

Öffnungszeiten
Dienstag: 10–20 Uhr
An Feiertagen bis 17 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10–17 Uhr
KölnTag (1. Donnerstag im Monat): 10–22 Uhr
montags geschlossen

Eintritt: 3€ ermäßigt

Webseite des Kölnischen Stadtmuseums

Tags: Handelsstadt Köln , Stadtgeschichte

Kategorien: Leben in Köln