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Ratgeber

Textilien aus Holz, Algen und Plastikflaschen

Lars Germann · 14.03.2024

Welche Kleidungstücke sind nachhaltig? Foto: Grafner /iStock-507710384.jpg

Welche Kleidungstücke sind nachhaltig? Foto: Grafner /iStock-507710384.jpg

Kleidungsstücke lassen sich aus Naturmaterialien oder recycelten Materialien herstellen. Stofffasern aus Lyocell, Modal und Sojaseide – was steckt drin? Wie nachhaltig ist die Produktion?

„Wir haben T-Shirts aus Holz und Schuhe aus Äpfeln“ – Nina Höbelheinrich lächelt verschmitzt, als sie das Sortiment ihrer Damenboutique „Wertstoff“ in Nippes beschreibt. Wer dabei nun kreative Karnevalskostüme vor Augen hat, irrt allerdings gewaltig. Tatsächlich sieht es in ihrem Geschäft am Wilhelmplatz überraschend unspektakulär aus: Die feinen Oberteile, sportlichen Shirts, Jeans und Turnschuhe könnte man problemlos zu jeder Gelegenheit tragen.

Neuartige (Natur-)Fasern wie Lyocell, Modal oder Sojaseide sind längst keine exotische Vorliebe von Umweltschützern oder Extravaganten mehr. „Das Thema Nachhaltigkeit ist in der breiten Masse angekommen“, bestätigt auch Frauke Plömacher. Sie arbeitet in der Damenboutique „Lanius“ im Agnesviertel, die sich bereits seit über zwanzig Jahren auf nachhaltige Mode spezialisiert hat.

Der Boom der „Fast Fashion“, also billiger Massenware, die unter ökologisch wie sozial fragwürdigen Bedingungen meist in Asien produziert wird, hat weltweit zu Müllbergen und verschmutzten Ozeanen geführt. Kein Wunder also, dass das Interesse an Naturfasern, die schonend produziert und biologisch abgebaut werden können, wächst. Doch wie alltagstauglich sind die neuartigen oder wiederentdeckten Textilien? So viel steht fest: Mit einer Bluse aus Sojabohnen, einem Mantel aus PET-Fla- schen oder Schuhen aus Kaktusleder kann man sich überall sehen lassen – auch wenn es meist etwas mehr kostet.

Die wichtigsten Rohstoffe im Überblick

Welche Materialien sind gut in Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit und soziale Kriterien?

Nachwachsende Rohstoffe

SeaCell™ – Zellulose aus Braunalgen


Algen. Symbolbild: Ronile / Pixabay

Eigenschaften:

  • weich und seidig
  • atmungsaktiv
  • elastisch, gibt beim Tragen Mineralien, Antioxidantien und Vitamine an die Haut ab

Anwendungsbeispiele:

  • Sport- und Unterwäsche
  • Heimtextilien

Nachhaltig?

  • ja: nachhaltige Algenwirtschaft
  • schonender Herstellungsprozess
  • biologisch abbaubar

Hanffaser– Stängel der Hanfpflanze


Hanf. Symbolbild: nickiy Pe / Pixabay

Eigenschaften:

  • leicht
  • atmungsaktiv
  • kühlend
  • reißfest
  • langlebig

Anwendungsbeispiele:

  • Jeans
  • Pullover
  • T-Shirts
  • Sportbekleidung (meist als Materialmix)

Nachhaltig?

  • ja: ressourcenschonender Anbau und Produktion
  • biologisch abbaubar (je nach Materialmix)

Lyocell / TENCEL™ – Zellulose aus Holz (vor allem Eukalyptus)


Eucalyptusbäüme. Sybolbild: Vijaya narasimha / Pixabay

Eigenschaften:

  • sehr feine und glatte Faser
  • nimmt viel Feuchtigkeit auf
  • atmungsaktiv

Anwendungsbeispiele:

  • Kleider
  • Blusen
  • Unterwäsche
  • Sportbekleidung
  • Bettwäsche

Nachhaltig?

  • eher ja: biologisch abbaubar
  • ohne Mikroplastik
  • Aber: Einsatz von Lösungsmitteln (wenig)
  • Monokultur der Eukalyptusbäume ist für die Flora und Artenvielfalt problematisch

Modal – Zellulose aus Buchenholz, Verarbeitung wie Lyocell


Buchenholz. Foto: Ilona Burschl / Pixabay

Eigenschaften:

  • sanfte und geschmeidige Faser (ähnlich Viskose)
  • seidiger Glanz
  • atmungsaktiv und wärmend

Anwendungsbeispiele:

  • Pullover
  • Strickjacken
  • Unterwäsche
  • Bettwäsche

Nachhaltig?

  • eher ja: biologisch abbaubar
  • ohne Mikroplastik
  • lösungsmittelarme Produktion

Sojaseide – Abfallprodukte aus der Sojabohnen-Industrie


Soybohnen. Foto: pnmralex / Pixabay

Eigenschaften:

  • glatt
  • weich und glänzend wie konventionelle Seide
  • atmungsaktiv
  • temperaturregulierend
  • knitterarm

Anwendungsbeispiele:

  • edle Damen-Oberbekleidung
  • Nachtwäsche

Nachhaltig?

  • geht so: Wiederverwendung von Industrieabfällen
  • aber Einsatz starker Lösungsmittel (Formaldehyd)

Bambusviskose – Zellulose aus Bambus


Bambus. Foto: Albrecht Fietz / Pixabay

Eigenschaften:

  • weich
  • seidig glänzend
  • atmungsaktiv
  • wärmeausgleichend

Anwendungsbeispiele:

  • Pullover
  • T-Shirts
  • Socken
  • Windeln

Nachhaltig?

  • eher nein: aufwändiges chemisches Verfahren
  • Einsatz großer Mengen giftiger Chemikalien
  • Anbau weitgehend pestizidfrei

Chemische Rohstoffe

Recyceltes Polyester – alte, benutzte Kunststoffe wie PET-Flaschen und Produktionsabfälle


PET-Flaschen. Foto: Matthew Gollop / Pixabay

Eigenschaften:

  • robust
  • wasserabweisend
  • elastisch
  • temperaturregulierend

Anwendungsbeispiele:

  • Outdoor- und Funktionskleidung
  • Winterjacken
  • Rucksäcke
  • Taschen

Nachhaltig?

  • geht so: CO2-Einsparung durch Recycling
  • aber hoher Energieaufwand bei Produktion
  • Mikroplastik im Abwasser

Econyl™ – Nylonstoff aus Polyamid-Abfällen wie Teppichböden, Fischernetze


Fischernetze. Foto: Matthew Gollop / Pixabay

Eigenschaften:

  • sehr fein und glatt
  • atmungsaktiv
  • strapazierfähig
  • elastisch

Anwendungsbeispiele:

  • Sport- und Schwimmbekleidung
  • Strumpfhosen
  • Schuhe
  • Bodenbeläge

Nachhaltig?

  • geht so: Recycling spart Ressourcen
  • aber beim Waschen entsteht wiederum Mikroplastik

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Tags: Kleidung , Nachhaltigkeit , Textil

Kategorien: Ratgeber