Ratgeber

Rad-Komfortkur

Anja Jansen-KölnerLeben Ausgabe 2/17 · 05.04.2017

Mehr Sicherheit durch kleine Änderungen

“Sicherer fühlen sich viele ältere Radfahrer, wenn sie auf dem Sattel sitzend mit beiden Füßen den Boden erreichen. Wegen ihres stark nach hinten geneigten Sattelrohrs klappt das bei Holland-Rädern. Bei allen anderen Radtypen ist es allerdings kaum möglich, mit den Füßen auf den Boden zu gelangen, ohne aus dem Sattel zu gehen oder das Fahrrad seitlich zu kippen. Eine Zwischenlösung bietet die automatische Sattelstütze: Per Knopfdruck lässt sich der Sattel vom Lenker aus während der Fahrt höher oder niedriger fahren – eine Erfindung, die vor allem im Radsport genutzt wird. Mehr Komfortbieten außerdem große Pedale, da sie dem Fuß viel Halt geben. Das Angebot an Pedalen ist vielfältig: Fußschalen mit Fixiermöglichkeiten kommen beispielsweise häufig bei Liegedreirädern zum Einsatz. Dreiräder mit zwei Hinterrädern oder zwei Vorderrädern sind für Menschen mit Gleichgewichtsstörungen oder Behinderungen eine sichere Lösung. Zwei Hinterräder bieten fahrtechnische Vorteile, mit zwei Vorderrädern lässt sich die Breite einer schmalen Durchfahrt besser einschätzen.

Die Modelle haben allerdings ihren Preis: Motorisierte Versionen beginnen bei 3.000 Euro. Stützräder für Erwachsene, sogenannte Therapiestützen, sind keine preiswerte Alternative. Sie sind nur für therapeutische Zwecke gedacht und nicht für den Alltag. Stephan Behrendt vom ADFC erklärt den Grund: „Wer zu schnell in die Kurve fährt, kippt schnell um. Auf unebenem Boden verliert das angetriebene Hinterrad den Kontakt zur Fahrbahn. Daher sind Stützräder nicht für die Straße geeignet.“ Wer Tempo möchte, jedoch Probleme mit Kraft und Ausdauer hat, wird mit dem motorisierten Rad glücklich. Ein E-Bike fährt auch, ohne dass man tritt. Der Elektroantrieb von Pedelecs dagegen springt nur an, wenn der Fahrer auch in die Pedale tritt. „Das Fahren mit dem Pedelec sollte man üben“, rät Behrendt. „Vor allem für diejenigen, die länger nicht Rad gefahren sind, ist die höhere Geschwindigkeit ungewohnt.“ Spätestens jetzt sollte jeder Helmmuffel an seine Sicherheit denken. Pedelecs sind schwer, sie lassen sich nicht ohne Weiteres die Kellertreppe hinuntertragen oder auf den Dachgepäckträger stemmen. Dann lohnt es sich, über ein sogenanntes Kompaktrad mit oder ohne Motor nachzudenken. Diese 20-Zoll-Räder sind klein, leicht, handlich und fahren sich kaum anders als herkömmliche Modelle.

Gute Beratung beim Fahrradkauf
Wichtig beim Fahrradkauf ist eine gute Beratung. Foto: privat

Tandems: für ambitionierte Radfahrer

Ein ganz besonderes Fahrgefühl bieten Tandems. Die Räder eignen sich für Paare mit einem fitten und einem eingeschränkten Partner. Ob Sehbehinderung, Gleichgewichtsstörung oder fehlende Muskelkraft – man fährt hinten und bleibt nicht auf der Strecke. Tandems erfordern etwas Übung und es sind vor allem die ambitionierten Radfahrer, die diese Räder für Touren nutzen.

Ob entspannte Radausflüge im Grünen oder Alltagsfahrten mitten durch den Straßenverkehr – eine gute Sicht und Sichtbarkeit sind das A und O. Die Beleuchtungstechnik für Räder hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert: Nabendynamo, starke LED-Frontscheinwerfer mit Tagfahrlicht sowie Standlicht vorne und hinten gehören mittlerweile zum Standard. Und auch sonst entwickeln Hersteller ständig neue „Alltagshelfer“, die für mehr Bequemlichkeit rund ums Rad sorgen. Es gibt Klappsysteme für Lenker, multifunktionale Befestigungssets für Gepäckträger, Lastenanhänger, Packtaschen und sogar Gehstockhalter.

Drückt in Sachen Rad der Schuh, lohnt sich immer das Gespräch mit einem Experten. Und eine ausführliche Probefahrt zeigt, ob es wirklich „passt“.

Auch Klaus Fischer ist mit seinem Dreirad sehr zufrieden: „Ich mache Ausflüge mit meiner Frau und erledige die Einkäufe mit dem Rad.“ Und nicht ohne Stolz ergänzt er: „In eineinhalb Jahren bin ich 3.000 Kilometer gefahren.“

Fahrradtraining für Senioren

Die Polizei Köln bietet mit der Stadt Köln und der Radfahrschule Anke Prinz kostenlose Kurse an. Ein Kurs umfasst fünf Tage mit je zwei Übungsstunden. Die Teilnehmer bringen ihre eigenen Fahrräder mit.

Die nächsten Termine:
8.–12.5.2017, 12.–16.6.2017, jeweils 15–17 Uhr
Jugendverkehrsgarten Nippes, Neusser Str. 164, 50733 Köln

29.5.–2.6.2017, 15–17 Uhr
St. Adelheid 5, 51109 Köln
Anmeldung erforderlich: Stadt Köln, Sabine Bongenberg, Tel. 0221 / 221-2 78 16

Fahrradbeauftragter der Stadt Köln
Für Anregungen, Fragen und Melden von Schäden auf den Radwegen: Jürgen Möllers, Tel. 115 oder 221-2 28 51

Radtourenplaner der Stadt Köln

ADFC Köln e. V., Mauritiussteinweg 11, 50676 Köln, Tel. 0221 / 62 11 93, Stephan Behrendt.

Tags: Sicherheit , Sport

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