Ratgeber

Fahreignung grenzenlos?

David Korsten-KölnerLeben Ausgabe 5/2016 · 29.03.2017

Rücksicht auf sich und andere nehmen

„Oh, oh, Frau Maschke, Sie machen mich ganz traurig“, sagt Herr Ibscher, nachdem er gebeten hat, auf einem Parkplatz zu halten. „Auch mit der Regel Rechts-vor-links stehen Sie wohl auf Kriegsfuß.“ An mehreren Einbuchtungen ist Frau Maschke nämlich eben ohne zu gucken vorbeigefahren. „Wäre da plötzlich ein Radfahrer herausgekommen – den hätten sie eiskalt erwischt“, sagt Ibscher streng. „Oh, das will ich natürlich nicht“, sagt Frau Maschke. „Da muss ich unbedingt besser aufpassen!“ Nun ist der Fahrfitness-Check gleich vorbei, und Herr Ibscher hat leider keine guten Nachrichten für sie. „Die Sache mit rechts vor links, mit dem Rechtsfahrgebot und dem Stoppschild – insgesamt rate ich Ihnen, sich das mit dem Autofahren gut zu überlegen“, sagt der Fahrlehrer.

„Das ärgert mich jetzt sehr“, sagt Frau Maschke. „Mich erstaunt vor allem, dass sich in den letzten fünf Jahren bei mir so viel verändert hat.“ Das sei normal, ein schleichender Prozess, sagt Ibscher. Dennoch sei sie froh, den Check gemacht zu haben – gerade weil die Rückmeldung heute nicht so gut ausgefallen ist. Die Kosten für eine solche Fahrstunde – 69 Euro, für ADAC-Mitglieder 49 Euro – sind gut investiert. Schließlich erhält man sofort eine professionelle Einschätzung von einem routinierten Fachmann. Nicht alle Autofahrer sind so verantwortungsbewusst wie Frau Maschke und lassen sich freiwillig testen. „Und wenn, dann sind es die, die es eigentlich nicht nötig haben“, weiß auch Verkehrsmediziner Schwickert. „Dabei wäre eine milde Form der verpflichtenden Tests aus medizinischer Sicht durchaus ratsam. Hör- und Sehfähigkeit und den Allgemeinzustand kann der Hausarzt zum Beispiel ganz niederschwellig überprüfen.“ Beim Thema Senioren und Autofahrer setzt der Gesetzgeber bislang auf Freiwilligkeit – möglicherweise auch mit Blick auf die einflussreiche Automobilindustrie, die bei den umsatzstarken älteren Zielgruppen wirtschaftliche Einbußen fürchtet.

Foto: ADAC, Nils Hendrik Müller

Zum Abschied bietet Herr Ibscher Frau Maschke an, noch ein paar Mal mit ihr zu üben. „Ich weiß, wie wichtig das Autofahren ist. Aber ich will auch nicht, dass Sie sich und andere unglücklich machen“, sagt er. Das werde sie sich überlegen. „Ich rufe Sie in ein paar Tagen an“, sagt sie. Dann steigt sie in ihren Wagen und macht sich auf den Heimweg.

Merken

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Fahrtüchtigkeit! Besonders, wenn Sie Medikamente einnehmen! Medikamente können die Fahrtüchtigkeit einschränken.

„Gesundheitschecks sind ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Prof. Dr. Ralf-Joachim Schulz aus Köln. Überprüft werden sollten neben der Sehkraft das Gehör, die Beweglichkeit, die Aufmerksamkeit und die Reaktionsgeschwindigkeit des Fahrzeugführers sowie die Funktion von Herz, Leber und Nervensystem.

Diese Fahrschulen bieten in Zusammenarbeit mit dem ADAC den Fahrfitness-Check an:
Kosten 69 € (ADAC-Mitglieder 49 €)

Fahrschule Jülich
Heinz-Peter Jülich
Zülpicher Str. 196
Tel. 02 21 / 42 71 72
50937 Köln-Sülz

Fahrschule Contzen
Dennis Hoppe
Heidelberger Str. 26
Tel. 02 21 / 61 09 76
51065 Köln-Buchforst

Fahrschule Ibscher
Theo Ibscher
Andreasstr. 2c
Tel. 02 21 / 5 90 72 90
50765 Köln-Esch

Fahrschule Automatik
Oguz Yücel
Subbelrather Str. 299
Tel. 02 21 / 54 81 82 28
50825 Köln-Neuehrenfeld

Weitere Infos und Online-Selbsttest ber der Aktion Schulterblick.

Die Broschüre „Fit und Auto-mobil“ enthält Hinweise für Ältere Menschen und ihre Angehörigen zur Aufrechterhaltung einer sicheren Auto-Mobilität. Sie ist kostenlos erhältlich beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat unter der Tel. 02 28 / 4 00 01-0

Tags: Mobilität , Sicherheit

Kategorien: Ratgeber