Gesund leben
Moderne Hüftprothesen – Einsatz und Möglichkeiten
Lisa von Prondzinski · 28.10.2026
Wer seine Muskeln stärkt, trägt viel dazu bei, dass die Prothese lange hält. Foto: PD Dr. Randau, Augustinerinnen Krankenhäuser gGmbH
Morgens brauchte Peter M., 67, einen Moment, bis er in Gang kam. „Meine rechte Hüfte schmerzte, jeder Schritt fühlte sich steif und unsicher an, die Schmerzen zogen in die Leiste“, erzählt er. Als die Schmerzen ihn im Alltag stark einschränkten, riet sein Arzt zur Operation. Um sicherzugehen, dass die Operation wirklich notwendig ist, suchte Peter M. einen weiteren Orthopäden auf. Krankenkassen empfehlen Zweitmeinungen, denn sie helfen nicht nur dabei, Kosten zu vermeiden, sondern auch voreilige oder gar überflüssige Eingriffe zu verhindern. Danach war für Peter M. klar: „An einer Hüftoperation komme ich nicht mehr vorbei.“
Hinter den Schmerzen steckt meist Gelenkverschleiß, die Arthrose: Der Knorpel nutzt sich ab, Knochen reiben aneinander und verursachen Schmerzen sowie Steifheit. Wenn Hüft- oder Kniegelenke stark geschädigt sind, gibt es die Möglichkeit, sie durch eine Prothese zu ersetzen. Das Fachgebiet dazu heißt Endoprothetik. Nach Angaben des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD) werden bundesweit jährlich über 400.000 Hüft- und Knieprothesen eingesetzt. 2024 entfielen 199.052 Ersteingriffe auf die Hüfte, 173.252 aufs Knie.
„Beide Operationen sind Routineeingriffe mit guten Erfolgsaussichten, besonders bei der Hüfte“, sagt Privatdozent Dr. Thomas Randau, Chefarzt der Klinik für Orthopädie am Severinsklösterchen. „In der Regel wird das komplette Hüftgelenk ersetzt, weil meist sowohl Hüftkopf als auch Pfanne geschädigt sind, sodass der vollständige Ersatz die beste Lösung ist.“ Eine Operation auf die lange Bank schieben, lohnt sich daher nicht: Durch Schonhaltung und Überlastung drohen Muskelabbau sowie weitere Arthrosen an Wirbelsäule oder anderen Knochen.
Langlebig und verträglich
Eine Hüftprothese besteht aus vier Bausteinen: einem meist kurzen Schaft, der zementfrei oder zementiert in den Oberschenkelknochen eingesetzt wird, einer Pfanne im Beckenknochen, einem Kugelkopf und einer Gleitfläche. Alle Prothesenteile werden genau aufeinander abgestimmt, um Stabilität und optimale Beweglichkeit zu gewährleisten und eventuelle Beinlängenunterschiede auszuschließen. Dazu würden vor der Operation mit einem normalen Röntgengerät präzise Aufnahmen gemacht, erklärt Dr. Randau.

So sieht eine Hüftprothese aus, die in ihre vier Bauteile zerlegt wird. Foto: ARTIQO
Moderne Implantate bestehen aus Titan für die Verankerung im Knochen, Keramik für den beweglichen Kopf und speziellen Kunststoffen für die Gleitfläche. Sie sind langlebig und gut verträglich. Neue Methoden, wie die Züchtung von Knorpelzellen, eignen sich zwar zur Reparatur kleiner Schäden, etwa nach Verletzungen an Knie oder Sprunggelenk, nicht jedoch bei starkem Verschleiß durch Arthrose. An der Hüfte spielen sie deshalb bisher keine Rolle.
Wie lange eine Prothese hält, lässt sich nicht pauschal sagen. Fachleute orientieren sich an Ausfallraten: Nach zehn Jahren funktionieren rund 95 Prozent der ersten eingesetzten Hüftprothesen problemlos, nach zwanzig Jahren noch immer mehr als 85 Prozent. „Eine Hüfte hat kein Ablaufdatum. Im besten Fall halten die Implantate so lange wie ihr Besitzer“, betont Dr. Randau und nimmt damit vielen Patienten die Sorge vor einem zu frühen Ersatzeingriff.

Jedes Bauteil gibt es in verschiedenen Größen – wie in einem die als Baukasten. So kann es individuell zusammen- und eingesetzt werden. Foto: PD Dr. Randau, Augustinerinnen Krankenhäuser gGmbH
Standardimplantat aus dem Baukasten
Dabei kommen 99 Prozent der Patienten mit einem Standardimplantat aus. „Das ist wie beim Anzugkauf ein Baukastensystem: Hosengröße 50, Jackettgröße 54, Hemdkragen 42, Gürtel 100 Zentimeter“, beschreibt der Mediziner anschaulich. Teure 3D-Individualprothesen seien in höchst seltenen Fällen notwendig, etwa bei Wechseloperationen mit großem Beckenschaden oder bei Knochenkrebserkrankungen.
Die Operation selbst ist heute schonender als früher. Häufig nutzen Chirurgen Zugänge von vorne oder schräg-seitlich an der Hüfte. Mit kleinen Schnitten werden die Muskeln nicht durchtrennt, sondern nur auseinandergeschoben. „Dadurch sind die Patienten schneller mobil und das Risiko sinkt, dass das künstliche Gelenk aus der Pfanne springt“, erklärt Dr. Randau.
Schwere Komplikationen wie Infektionen oder Thrombosen sind selten. Lockert sich die Prothese, oft durch Stürze, ist eine Nachoperation möglich. Für Peter M. geht es schon einen Tag nach der Operation wieder auf die Beine, mit Gehhilfen. Der Behandlungserfolg wird unterstützt durch gute Rehabilitationsmaßnahmen. Sie erfolgen in der Regel drei Wochen lang ambulant oder stationär.
Vorrangig geht es darum, die Belastbarkeit des neuen Gelenks herzustellen und die Alltagsbewegungen wie Auf- stehen, Sitzen und Treppensteigen korrekt auszuführen. Ein besonderes Gehtraining zielt auf eine schnellstmögliche sichere Fortbewegung ohne Hilfsmittel ab. Peter M. trainiert auch nach der Reha weiter, denn er weiß: „Gut trainierte Muskeln entlasten die künstliche Hüfte und verlängern deren Haltbarkeit.“
Informationen
HÜFTOPERATIONEN
Es ist ratsam, sich an ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zu wenden. Beispielweise:
Cellitinnen-Severinsklösterchen Krankenhaus der Augustinerinnen
Jakobstr. 27–31,
Tel. 0221 / 33 08-13 56
www.severinskloesterchen.de/zentren/endoprothesenzentrum
Kliniken der Stadt
Krankenhaus Merheim
Ostmerheimer Str. 200,
Tel. 0221 / 89 07-0
www.kliniken-koeln.de/OPUS_Endoprothetik.htm
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Tags: Hüfte , Hüftgelenk , Implantat , Krankenhaus , Operation , Rehabilitation , technischer Fortschritt , Wissenschaft
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