Gesund leben

Die unterschätzte Gefahr

Lisa von Pronzinski · 09.01.2020

Foto: Fotolia © simona

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Sonne tut gut. Allerdings nur in Maßen: Wer sich ihr jahrzehntelang ungeschützt aussetzt, kann Hautkrebs bekommen. Besonders häufig ist der weiße.

Zwar ist weißer Hautkrebs nicht so aggressiv wie der gefürchtete schwarze Hautkrebs, aber er kommt viel häufiger vor. Und trotz guter Heilungschancen ist er nicht ungefährlich. Hauptursache ist eine starke UV-Belastung, egal ob durch natürliches Sonnenlicht oder Sonnenbank. Schätzungen zufolge erkranken daran in Deutschland jedes Jahr etwa 250.000 Menschen. Das Risiko, Hautkrebs zu bekommen, steigt mit dem Alter. Im Durchschnitt sind die Patienten um die sechzig Jahre alt.

Denn in den 1950er und 60er Jahren, als diese Patienten klein waren, dachte niemand an Sonnenschutz. Alle haben sich bedenkenlos gebräunt. Dabei ist gerade Kinderhaut sehr empfindlich. Und so erhöht wiederholter Sonnenbrand der noch dünnen Haut das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken, deutlich. Kommen dann noch häufige Sonnenbankbesuche und viele Urlaube in der prallen Sonne dazu, steigt die Gefahr zu erkranken immens. Und das nochmal besonders für Menschen mit heller Haut. Sie haben weniger von dem Pigment Melanin, das die schädliche UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht herausfiltert.

Weißer Hautkrebs entwickelt sich also über lange Zeit und kann prinzipiell überall am Körper auftreten. Vor allem betroffen sind jedoch die sogenannten Sonnenterrassen: Hautpartien, die oft der Sonne ausgesetzt sind, wie Gesicht, Nacken, Hände, die unbehaarte Kopfhaut, Beine und Dekolleté. Betroffene Stellen schuppen oder verfärben sich. Oft werden sie mit Narben und Warzen verwechselt. „Weil weißer Hautkrebs so unterschiedlich aussehen kann, ist er für Laien manchmal schwer von gutartigen Hautveränderungen zu unterscheiden. Außerdem macht er lange Zeit keine Beschwerden, sodass er manchmal verkannt wird“, sagt die Kölner Hautärztin Nadja Hympendahl. Wenn ein Pickelchen über Wochen nicht weggeht oder eine Stelle wieder und wieder anfängt zu bluten, sollte man wachsam werden und zum Arzt gehen, so ihr Rat.

Aber damit nicht genug: Der weiße Hautkrebs tritt auch noch in zwei Formen auf: dem Basalkarzinom, auch Basaliom genannt, und dem Plattenepithelkarzinom, auch Spinaliom genannt. Den Großteil macht das Basalkarzinom aus. Anfangs sieht es aus wie ein kleiner hautfarbener Knoten oder ein kleiner Pickel. Basaliome bilden zwar in der Regel keine Metastasen, können aber wachsen: Unbehandelt können umliegendes Gewebe, Knochen oder Knorpel geschädigt werden. Im Gegensatz dazu kann das fortgeschrittene Plattenepithelkarzinom Lymphknoten befallen und innere Organe angreifen.

Behandlung: je früher, desto besser

Je früher weißer Hautkrebs erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Laut der Deutschen Krebshilfe liegen sie bei nahezu 100 Prozent, wenn der Tumor nicht größer als ein Zentimeter ist. Für die Behandlung gibt es mehrere Optionen. In einem frühen Stadium sind oft nur kleine Eingriffe nötig, die kaum Spuren hinterlassen. Ein oberflächliches Basaliom zum Beispiel kann mit einer speziellen Salbe behandelt werden, die nur von Tumorzellen aufgenommen wird und die die Zelle lichtempfindlich macht (photodynamische Therapie, PDT). Anschließend wird die vorbehandelte Stelle durch spezielles Licht bestrahlt, sodass die Tumorzellen zerstört werden.

Auch Salben, die das Abwehrsystem dazu anregen, den Hautkrebs zu bekämpfen, werden eingesetzt. Genauso wie chemotherapeutische Tinkturen. Außerdem helfen in manchen Fällen Laserbehandlungen oder Vereisungen. Bei später Diagnose wird eine größere Operation nötig. „Am sichersten ist immer die vollständige operative Entfernung der Veränderung. Durch die nachfolgende histologische Untersuchung weiß man, ob der Tumor komplett entfernt ist“, sagt Hautärztin Hympendahl. Doch das möchte nicht jeder Patient. Vor allem nicht im Gesicht. „Wir beraten jeden Patienten darüber, was medizinisch notwendig ist, und erarbeiten ein individuelles Behandlungskonzept.“

Nicht ungeschützt in die Sonne

Um die Haut nicht zu schädigen und Hautkrebs vorzubeugen, gilt: nie ungeschützt in die Sonne. Das heißt, im Sommer immer Sonnencreme benutzen, am besten mit Lichtschutzfaktor 50. Viele machen den Fehler und tragen zu wenig Creme auf, sodass ein ausreichender Schutz fehlt. Daher immer großzügig eincremen. Auch nicht vergessen: Selbst, wenn es wolkig ist, kann man einen Sonnenbrand bekommen. Neben Sonnenschutzcremes rät Hympendahl in bestimmten Fällen zu spezieller UV-Schutzkleidung. „Am Wasser oder beim Segeln zum Beispiel leistet ein UV-T-Shirt gute Dienste.“ Unbedingt sollte jeder zur regelmäßigen Kontrolle zum Hautarzt gehen. Allen über35 Jahren finanziert die Krankenkasse alle zwei Jahre eine Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung.

Informationen

Deutsche Krebsgesellschaft e. V.

Kuno-Fischer-Str. 8
14057 Berlin
Tel. 030 / 32 29 32-90
Webseite

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V.

Cremon 11
20457 Hamburg
Tel. 040 / 209 13-160

Webseite

 

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