Gesund leben

Dem Alter die Zähne zeigen

Diana Haß · 27.08.2019

Foto: ProDente e.V.

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Wer im Alter gesunde Zähne haben möchte, hat das – größtenteils – selbst in der Hand. Denn mit guter Mundhygiene kann man einiges dafür tun.

„Wunderbar“, sagt Jürgen Hamacher. Der Zahnarzt ist zufrieden mit der Kontrolle. Seine 84-jährige Patientin hat bis auf einen fehlenden Backenzahn noch alle eigenen Zähne. Klar, es gibt eine Krone und ein paar Füllungen. Aber: Das Gebiss ist gesund und sitzt fest. „Das ist keine Ausnahme“, erklärt Hamacher, bei dem Menschen über 65 Jahre gut ein Viertel seiner Patienten in der Bickendorfer Praxis stellen. In 27 Jahren hat er beobachtet, dass die Zähne der Senioren immer besser wurden. „Die Zeiten der Vollprothesen im Alter sind vorbei. Die Bereitschaft, sich um die Zähne zu kümmern und sie zu pflegen, wächst“, sagt er.

Die aktuelle Deutsche Mundgesundheitsstudie bestätigt das. Dazu trägt auch bei, dass immer mehr Menschen Wert auf die richtige Ernährung legen. Diese schützt wirksam vor Karies. Wer wenig Süßes isst, tut auch seinen Zähnen etwas Gutes. Und natürlich wurde die ärztliche Versorgung immer besser, der jährliche Check beim Zahnarzt ist heute Standard. Sonst wird das Bonusheft, von dem beispielsweise bei Zahnersatz die Höhe des Zuschusses abhängt, nicht abgestempelt. Experten raten Senioren, besser zweimal im Jahr zur Kontrolle zu gehen.

Dr. Greta Barbe, Leiterin des Bereichs Seniorenzahnheilkunde an der Kölner Uniklinik, weiß: Wer im Alter Zähne und Zahnfleisch optimal pflegen will, muss mehr und andere Sachen beachten als in jungen Jahren. Der Grund: Körperliche Belastungen, Alterungsprozesse, hormonelle Veränderungen, Erkrankungen und Medikamenteneinnahme wirken sich auf Dauer auch auf Mundhöhle und Zähne aus. Woraus besteht also die optimale Pflege?


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Putzen, putzen, putzen

Eine gute Mundhygiene ist das A und O. Zweimaltäglich müssen die Zähne ordentlich gereinigt werden. Dabei ist das gründliche abendliche Putzen von besonderer Bedeutung. Als Faustregel gilt, dass man sich etwa drei Minuten Zeit nimmt. Und man sollte immer „von Rot nach Weiß“, also vomZahnfleisch zu den Zähnen putzen. Und nach dem Verzehr von etwas Saurem – wie Apfel, Orange oder einem Glas Rotwein – nicht sofort die Zähneputzen. Dasselbe gilt, nachdem etwas Süßes gegessen wurde. Die Speisen weichen den Zahnschmelz kurzzeitig auf. Also: eine gute halbe Stunde mit dem Putzen warten. Sonst wird der Zahnschmelz mit der Bürste abgerieben.

Sinnvoll ist auch der Blick auf die Zahnbürste. Auf keinen Fall sollten die Borsten zu hart sein. Eine mittlere Härte gilt als gut. Dass eine Bürste regelmäßig –spätestens alle drei Monate – ausgetauscht wird, dürfte eine Selbstverständlichkeit sein. Und: Es lohnt sich, in eine elektrische Zahnbürste zu investieren. Sie reinigt gründlicher und spart Kraft. „Für Senioren ist sie häufig die bessere Wahl“, bestätigt Dr.Barbe. Ob Zahnpasta oder -gel verwendet wird, ist Geschmackssache. Unverzichtbar jedoch: Fluorid. Der Mineralstoff macht den Zahnschmelz widerstandsfähiger und hilft, Karies zu verhindern. AchtenSie darauf, dass er in der Zahnpasta enthalten ist.

Parodontitis vorbeugen

Eine gute Mundhygiene ist auch das beste Mittel, um Parodontitis zu vermeiden. Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnfleischs, die durch Bakterien entsteht. Zahnbeläge sind meist die Ursache. Unbehandelt kann die Parodontitis dazu führen, dassdas Zahnfleisch immer weiter zurückgeht und Zähne schließlich locker werden. Ein Warnhinweis ist das Zahnfleischbluten. Wer es bei sich bemerkt, sollte zum Zahnarzt gehen.

Einmal täglich sollten kleine Zahnzwischenraumbürsten zum Einsatz kommen. Mit ihnen wird überalldort gereinigt, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Das gilt für schief stehende Zähne und besonders auch für die Übergänge zwischen eigenen Zähnen und Zahnersatz. Denn gerade hier sammeln sich vermehrt Speisereste und Beläge. „Sie begünstigen Karies und Parodontitis“, so Dr. Greta Barbe. Zahnseide für die Zwischenräume ist ebenfalls sinnvoll. „Interdentalbürsten müssen angepasst werden an die verschiedenen Stellen. Man kann sie ruhig beim Zahnarztbesuch mitbringen und absprechen, ob man die richtigen verwendet. Senioren sollten sich auf jeden Fall trauen, nach Tipps zu fragen, und nicht denken, dass sie das in ihrem Alter doch wissen müssten. Die Ärzte und ihre Mitarbeiter beraten gerne“, so die Expertin.

Zur guten Mundhygiene gehört es auch, die Zunge zu reinigen. Eine weiche Zahnbürste ist hier geeignet. Wer mag, kann auch einen speziellen Zungenreiniger nutzen. Ihn gibt es im Drogeriemarkt. Um das Zahnfleisch zu pflegen, ist eine Massage mit einer weichen Zahnbürste sinnvoll.


Die Zahnzwischenräume kann man mit Interdentalbürstchenoder, wie hier, mit Zahnseide reinigen. Foto: fotolia / vetkit

Zahnstein in Schach halten

Der Zahnarzt kontrolliert, ob Zähne kariös sind, also Löcher haben. Er prüft, ob es Zahnfleischentzündungen gibt, ob das Zahnfleisch fest und gesund ist oder zurückgeht. Außerdem entfernt er Zahnstein– eine kurze Prozedur, die sehr wichtig ist. „Einmal jährlich wird das Entfernen von Zahnsteinvon den Krankenkassen übernommen“, so Zahnarzt Hamacher. „Seit kurzem auch zweimal jährlich, wenn der behandelnde Zahnarzt Senioren im Heim besucht“, ergänzt Dr. Greta Barbe. Übereinstimmend empfehlen Zahnärzte zusätzlich professionelleZahnreinigungen (PZR). Dabei werden die Zahnbeläge entfernt, dann die Zahnzwischenräume gereinigt und die Zähne poliert, um sie gegen neuen Zahnbelag widerstandsfähiger zu machen. Schließlich wird noch ein fluoridhaltiger Schutzlack aufgetragen. Die Kosten in Höhe von etwa 35 bis 120 Euro müssen allerdings meistens aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Manche Krankenkassen erstatten oder verrechnen die Ausgaben. Es lohnt sich, dort nachzufragen.

Wurzelkaries vermeiden

Wer denkt, Karies bekommen nur Kinder, liegt völlig falsch. Löcher in den Zähnen sind in jedem Alter möglich. Bei Senioren, bei denen häufiger Zahnhälse freiliegen, gibt es ein spezielles Risiko: Wurzelkaries. „Die Zahnhälse sind nicht durch dicken Schmelz geschützt. Also kann sich die Karies schnell ausbreiten. Deshalb ist es wichtig, rasch zu behandeln“, so Dr. Greta Barbe. Spezielle fluoridhaltige Zahncremes, Zahnspülungen oder Lacke können helfen Wurzelkaries vorzubeugen,wenn Zahnhälse freiliegen.
Auch hier ist der Hauszahnarzt der erste Ansprechpartner. „Wir erhalten gerne Zähne“, sagen Dr. Barbe und Zahnarzt Hamacher übereinstimmend. Die Sorge, man würde nerven, wenn man häufiger kommt, muss niemand haben.


Für die Reinigung der Zunge gibt es spezielle Bürsten oder man nimmt eine weiche Zahnbürste. Foto: fotolia / Christoph Hähnel

Mundtrockenheit bekämpfen

Ältere Menschen leiden häufig unter Mundtrockenheit. „Oft ist das eine Folge von Medikamenten“, weiß Dr. Greta Barbe. Sie rät: „Senioren sollten die Mundtrockenheit nicht einfach als gegeben hinnehmen, sondern etwas unternehmen.“ Das heißt: den behandelnden Facharzt auf das Problem ansprechen und auch den Zahnarzt. Ein trockener Mund ist nicht nur unangenehm, er birgt auch Risiken. „Speisereste können nicht mehr so gut weggespült werden, das Risiko für Karies oder Wurzelkaries steigt“, so die Ärztin. Erste Hilfe bei Mundtrockenheit: ausreichend trinken. Erfahrungsgemäß trinken Senioren häufig eher wenig.

Zur Not muss man sich selbst überlisten: Gläser und Flaschen an verschiedenen Stellen in der Wohnung können eine Erinnerung sein. Rituale wie das Glas Wasser vor dem Essen können helfen, für genügend Flüssigkeit zu sorgen. Hilfreich bei zu wenig Speichel im Mund kann es auch sein, zwischendurch ab und zu ein knackiges Gemüse zu knabbern oder zuckerfreien Kaugummi zu kauen. Das regt die Speicheldrüsen an und hilft, mehr Speichel zu produzieren. Und auch bei der Mundtrockenheit gilt: Der Zahnarzt kennt Mittel, die helfen können. Einfach fragen – es lohnt sich.
Trotz aller modernen Möglichkeiten beim Zahnersatz sind sich Zahnärzte einig: Nichts ist besser als die eigenen Zähne. „Sich um sie zu kümmern, ist gut investierte Zeit“, unterstreicht Dr. Barbe. Und Zahnarzt Jürgen Hamacher bestätigt: „Ich hatte hier schon einen Patienten, der ist über hundert Jahre alt geworden und hatte immer noch ein sehr gutes Gebiss.“

 

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Fitnesstraining für die Zähne. Fünf Tipps für die tägliche Zahnpflege

Informationen

Die Initiative proDente hat viele nützlicheTipps zur Zahn- und Mundpflege im Alter zusammengestellt. Sie sind im Internet zu finden unter www.prodente.de/erkrankungen/alterszahnheilkunde

Die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) hat zusammen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) einen informativen Flyer mit dem Titel „Gesund im Mund, 60 plus! Wir auch!“ herausgegeben.

Kostenpflichtige Bestellungen unter Tel. 0341 / 97 21-304.
Kostenfrei herunterladen auf. www.dgaz.org > Patienten & Angehörige> Informationsmaterial

 

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