Leben in Köln

Schon gewusst, ...

Florian Weber/LVR · 11.07.2019

Foto: gemeinfrei / Wikimedia Commons

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... dass auf der Riehler Radrennbahn der Westernheld Buffalo Bill auftrat?

Ende des 19. Jahrhunderts herrschte im Deutschen Reich und insbesondere auch in Köln ein allgemein verbreiteter Enthusiasmus für den Radsport, der fast alle Teile der Bevölkerung gleichermaßen in seinen Bann schlug. Die Begeisterung für die Helden dieses Sports, wie etwa die beiden gebürtigen Kölner Radweltmeister Albert Richter (1912–1940) und Anton „Toni“ Merkens (1912–1944), kann durchaus mit der auch heute noch herrschenden Euphorie für bestimmte Sportereignisse oder Fußballvereine verglichen werden.

Wildwest in Köln

Ein Zeugnis dieser Begeisterung ist die im Jahr 1889 erbaute Radrennbahn in Riehl. Ihre oval angelegte Fahrbahn war 400 Meter lang und anfangs mit Sand gedeckt. Die Besucher konnten sowohl von einer Holztribüne als auch vom Innerendes Ovals aus die rasanten Fahrten ihres jeweiligen Favoriten verfolgen. Manche Rennen endeten jedoch tragisch, so stürzten etwa die Radrennfahrer Wilhelm Robert „Willy“ Schmitter (1884–1905) und Peter Günther (1882–1918) auf anderen Strecken tödlich. Nur ein Jahr nach der Eröffnung der Rennbahn trat hier der weltbekannte Westernheld und Unterhaltungskünstler „Buffalo Bill“, eigentlich William Frederick Cody (1846–1917), mit seiner Show auf und brachte einen Hauch von „Wildwest“ an den Rhein.

 

Riehler Rennbahn Foto:gemeinfrei

Riehler Rennbahn Foto: gemeinfrei

Alte Werbeanzeigen geben Aufschluss darüber, welche Ausmaße diese inszenierten Spektakel annahmen: „800 Männer und 500 Pferde“ wurden in drei „Spezialzügen“ nach Köln gebracht und vollführten vor den staunenden Zuschauern Reit-, Lasso- und Schießkunststücke. Auch wurde für die Veranstaltung mit modernsten „elektrischen Beleuchtungssystemen“ geworben, die die echten „tapferen Rothäute“ und lebenden Büffel ins rechte Licht rückten. Kein Wunder also, dass die Shows allesamt restlos ausverkauft waren.

Im Jahr 1895 wurde die Sandbahn der Riehler Rennbahn mit Asphalt gedeckt, wodurch die Strecke auch für den aufkommenden Motorsport interessant wurde, was mit zu Kölns Ruf als „Hochburg der Motorradszene“ beitrug. Besonders populär waren ab den 1920er Jahren aber vor allem die sogenannten „Steher-Rennen“, eine Form des Radrennens, bei dem ein vorausfahrendes Motorrad den Rennfahrern Windschatten bot. Auf diese Weise konnten noch höhere Geschwindigkeiten erzielt werden. Der Abbruch der Bahn und der Umbau zum Zoogelände erfolgten 1956.

Informationen:

Das Gelände der früheren Radrennbahn befindet sich heute nicht mehr sichtbar im Bereich des Elefantenparks des Kölner Zoos.

Weitere Informationen beim LVR-Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.

Tags: Radsport , Riehl

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