Leben in Köln

Braunsfeld – Zwischen Stadt und Wald

dk · 09.08.2018

Foto: Volker Dennebier

Foto: Volker Dennebier

Braunsfeld im Bezirk Lindenthal bietet eine gute Nahversorgung und viel Grün durch die Nähe zum idyllischen Stadtwald. Aber ein Begegnungszentrum für Jung und Alt gibt es nicht – eine Initiative setzt sich nun dafür ein. Letzter Teil der Veedelsserie.

Clementinen, Äpfel und Erdbeeren glitzern in der Sonne, Tulpen und Rosen leuchten in bunten Farben. An der Kitschburger Straße liegt der Duft von frischen Reibekuchen in der Luft, Verkäufer bieten Käse, Fleisch und Fisch an. Ein junger Vater mit dem Nachwuchs vor der Brust kauft einen Kopfsalat, eine grauhaarige Dame lässt sich Birnen zeigen. An einem sonnigen Samstagvormittag im Frühling verströmen die Stände des Braunsfelder Wochenmarkts mediterranes Flair, dank Oliven, frischer Pasta und Olivenöl. Seit 2017 bauen die Händler ihre Buden am Stadtwald auf, weil am ursprünglichen Standort neben der Clarenbachkirche neue Gebäude entstehen. Wie eine Notlösung wirkt der Platz indes nicht, im Gegenteil: Mancher erledigt hier im Grünen nicht nur seine Einkäufe, sondern trifft Bekannte auf ein Schwätzchen. „Herrlich“, schwärmt eine ältere Dame am Kaffeestand, während sie einen Churro, ein spanisches Fettgebäck, in einen kleinen Napf mit Kakao tunkt.

Villen und kurze Wege

Manch Kölner verbindet jedoch nicht nur Positives mit dem Stadtteil: Der alte Wochenmarkt war im Oktober 2015 Schauplatz des Attentats auf die heutige Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Knapp vierzig Jahre zuvor, am 5. September 1977, entführten Mitglieder der RAF den damaligen Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer – in der Vincenz- Statz-Straße in unmittelbarer Nähe zum Stadtwald. Das Erholungsgebiet wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt, rasch öffneten damals Restaurants und Gartenlokale ihre Türen. Wohlhabende Bürger schätzten die Ruhe der Natur mitten in der Stadt. Um die Anlage herum bauten sie ihre Villen, etwa in der Friedrich-Schmidt-, der Wiethase- oder der Christian-Gau-Straße. Viele der Gründerzeithäuser existieren bis heute. Das veränderte den Stadtteil völlig. Denn seine Entstehung geht auf die vom Fuhrmann Ferdinand Braun 1862 eröffnete Ziegelei zurück. Seine Arbeiter wohnten in der Nähe des wachsenden Betriebs, auf „Brauns Feld“ – daher der Name des Veedels, das heute etwa 12.000 Einwohner zählt und an Lindenthal, Müngersdorf und Ehrenfeld grenzt.

Noch heute genießen die Braunsfelder die Nähe zu Stadt und Stadtwald. Etwa der 77 Jahre alte Dieter Weisweiler. Er sei vor fünf Jahren ins Veedel gezogen. „Ich wusste nicht genau, was mich erwartet, als ich hier damals eine Wohnung gefunden habe. Aber ich bin immer noch sehr zufrieden“, sagt er. „Der Stadtteil hat eine sehr hohe Lebensqualität“, findet auch Inge Arnold, 79, die mit Ehemann Horst auf der Aachener Straße flaniert. Sie seien vor sechs Jahren aus Mainz hierhergezogen, weil die Kinder in der Nähe wohnen. „Wir hatten aber eine Liste mit den wichtigsten Kriterien erstellt. Braunsfeld bekam die meisten Punkte“, erläutert Horst Arnold, 77. Supermärkte, Ärzte und Apotheken sollten fußläufig erreichbar sein, auch die gute Verkehrsanbindung spielte eine Rolle. All das biete Braunsfeld. Allein für Nägel oder Schrauben müsse man schon ein Stück fahren. „Aber sowas braucht man ja nicht jeden Tag“, sagt Horst Arnold verschmitzt.

Einfach mal quatschen statt immer konsumieren

Auch Firmen lockt der Stadtteil an, insbesondere der moderne und äußerst dynamische Technologiepark. Die etwa 300 dort angesiedelten Unternehmen beschäftigen circa 6.000 Menschen und profitieren von guter Vernetzung und Verkehrsanbindung. Aber: „Was hier wirklich fehlt, ist ein Begegnungszentrum“, sagt Renate Becker-Barthold. Die 73-Jährige lebt seit 35 Jahren im Veedel und setzt sich mit dem Verein ZeitGeist Braunsfeld – GenerationenNetzwerk für eine vielfältige Freizeitgestaltung ein. „Wir vermissten die Stadtteilbibliothek, die es bis Anfang des Jahrtausends noch gab“, schildert sie den Anlass für ihre Initiative. Die habe sie wiederbeleben wollen, und als die Stadt im Herbst 2015 ihr Seniorennetzwerk auf Braunsfeld ausweitete, sah sie eine gute Gelegenheit. „Was uns vorschwebt, ist ein zentraler Ort, an dem sich die Menschen tagsüber einfach mal so zum Quatschen treffen können“, sagt sie.

Braunsfeld in Zahlen

(in Klammern zum Vergleich immer kleinster und größter Wert in der Stadt Köln; Quelle: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stand: 31.12.2017)

Fläche: 1,68 Quadratkilometer (Mauenheim 0,49 / Eil 16,25)

davon Erholungsflächen: 1,4 Prozent (Immendorf 0,9 / Höhenberg 39,9)

Einwohner: 12.070 insgesamt, je Quadratkilometer 7.197 (Roggendorf 320 / Neustadt- Süd 13.674)

Alter: 2.775 (23,0 Prozent) älter als 60 Jahre (Ehrenfeld 15,2 / Heimersdorf 33,1)

Alle für Senioren wichtigen Adressen sind erhältlich beim Beratungstelefon für Senioren: Tel. 0221 / 221-2 74 00

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