Leben in Köln

Auf den Spuren des verlorenen Sohnes

wg · 28.04.2019

Jaques Offenbach. Foto: Wikipedia

Jaques Offenbach. Foto: Wikipedia

Orte, die in Köln an Jacques Offenbach erinnern, sind rar. Eine Gedenktafel, ein Platzname, eine Rathausfigur, ein Glockenspiel. KölnerLeben hat sich dennoch auf einen Erinnerungsgang begeben.

„In diesem Hause wurde der Komponist Jacques Offenbach am 20. Juni 1819 geboren“. So lautet die Inschrift der Gedenktafel an der Fassade des Hauses am Großen Griechenmarkt 1. Die ganze Wahrheit aber ist das nicht. Denn sein Vorname war Jakob, auf Kölsch Köbes, erst später benennt er sich in Jacques um. Und das Haus, in dem er mit neun Geschwistern, Vater Isaac und Mutter Marianne seine frühe Kindheit verbrachte, ist längst abgerissen. Aber immerhin sorgt die Tafel für Klarheit: Offenbach ist gebürtiger Kölner, ne kölsche Jung.

Wobei die Bezeichnung Jung auf jeden Fall zutreffend ist. Denn nur seine ersten 14 Lebensjahre verbringt er am Rhein. In dieser prägenden Zeit werden die Grundlagen für sein späteres musikalisches Wirken gelegt. Sein Vater, in der Stadt als freischaffender Gitarren-, Flöten-, Violin- und Singlehrer tätig, erkennt früh Jakobs außerordentliches musikalisches Talent und bringt ihm Geigen- und Cellospiel bei.

Zeichnung von Jacques Offenbach Jacques Offenbach - Zeichnung von Alexandre Laemlein, 1850

Neben der Musiklehrertätigkeit übernimmt Isaac Offenbach in der jungen jüdischen Gemeinde Kölns die Funktion des Chasans, des Kantors. Er beweist sich als begabter Komponist, tief in der synagogalen Musik seiner Zeit verwurzelt. Gleichzeitig pflegt er vielfältige Kontakte zur Kölner Musiker- und Künstlerszene außerhalb der jüdischen Gemeinde und ist offen für andere, auch unterhaltsame, sogar karnevalistische Musikrichtungen.

Von dieser musikalischen Vielfältigkeit und gesellschaftlichen Offenheit profitiert auch Jakob. Der Solocellist Joseph Alexander und der Theatermusiker und Karnevalskomponist Bernhard Breuer fördern das Violoncello-Wunderkind besser, als es der Vater selbst vermag.

Kommentar von Oberbürgermeisterin Henriette Reker:

Liebe Leserinnen und Leser,

Henriette Rekerviele unzerstörbar scheinende steinerne Zeugnisse des 19. Jahrhunderts sind längst aus dem Stadtbild verschwunden, doch die Musik des deutsch-französischen Künstlers mit Kölner Wurzeln bewegt bis heute Menschen auf der ganzen Welt. Mit dem Offenbach-Jahr feiern wir ein Kulturprojekt des Miteinanders, der Begeisterung und der Freude an unseren kulturellen Errungenschaften. Freuen Sie sich auf ein attraktives Programm, das sich aus Konzerten, Symposien und anderen Kulturveranstaltungen zusammensetzt. Als Schirmherrin des Offenbach- Jahres lade ich Sie alle herzlich dazu ein, dem Aufruf der Kölner Offenbach-Gesellschaft und der Stadt Köln zu folgen: Yes we Cancan!

Unterschritft Henriette Reker

Henriette Reker
Oberbürgermeisterin der Stadt Köln

Zum Tanz aufgespielt

Um den Lebensunterhalt für die zwölfköpfige Familie Offenbach sicherzustellen, zieht Jakob ab 1830 gemeinsam mit Vater, dem älteren Bruder Julius und Schwester Isabella durch die Gaststätten und Kaffeehäuser Kölns und spielt zum Tanz auf. Die Offenbachs gehören zu den beliebtesten Musikensembles und haben Engagements im Gymnicher Hof am Neumarkt, in der Wollküche am Cäcilienkloster und in der Gastwirtschaft Welcker an der Breite Straße. Keines dieser Gebäude existiert heute noch.

Tags: Musik

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